Infos über Gebärdensprache

Deutsche Gebärdensprache (DGS)

Die Deutsche Gebärdensprache (abgekürzt DGS) ist die visuell-manuelle Sprache, in der deutsche Taube und schwerhörige Personen untereinander kommunizieren. Die Wörter der Sprache nennen sich Gebärden. Diese Sprachgemeinschaft umfasst ungefähr 200.000 Menschen, die auch sprachenflexible hörende Benutzer einschließt.


Allgemeines

DGS ist eine eigenständige Sprache, deren Grammatik von derjenigen der deutschen Lautsprache verschieden ist; z. B. werden adverbielle Bestimmungen der Zeit meistens am Satzanfang, Verben sowohl nach dem Subjekt als auch am Ende des Satzes gebärdet.

Es gibt auch ein eigenes System "Lautsprachbegleitende(r) Gebärden" (LBG), auch "gebärdetes Deutsch" genannt, das ganz oder teilweise der Grammatik der deutschen Sprache folgt, von vielen DGS-Benutzern aber als "falsch" empfunden wird - man stelle sich vor, deutsche Wörter plötzlich im englischen Satzbau zu verwenden.

DGS ist wie andere Gebärdensprachen auch eine visuelle Sprache, die neben Körperhaltung und Gesichtsmimik vor allem Gebärden verwendet, um Gedanken sowie Sachverhalte auszudrücken. Gebärden unterscheiden sich voneinander durch Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung. Auffallender Unterschied zu Lautsprachen ist, dass Gebärdensprachen räumlich sind: Personen und Orte können in einem Gespräch sozusagen in der Luft platziert werden, und je nach der Bewegungsrichtung von Gebärden zwischen diesen "Raumpunkten" ändert sich die Bedeutung. Als Hilfsmittel zum Buchstabieren von Eigennamen oder Vokabeln, deren Gebärden einer der oder beide Gesprächspartner (noch) nicht kennen, dient das Fingeralphabet.

Von den Anhängern des Oralismus wurde die Gebärdensprache tauber Kinder über mehr als 175 Jahre lang unterdrückt, weil man glaubte, sie behindere das Erlernen der für taube Kinder nicht oder nur schwer wahrnehmbaren Lautsprache. Kinder, die beim kommunikativen Gebrauch der Hände ertappt wurden, erhielten in einigen Schulen Stockschläge auf die Hände oder wurden mit Spielverbot und Nachtischentzug bestraft. Ihnen wurde beigebracht, sich für den Gebrauch der Gebärden zu schämen. Eltern wurden dazu angehalten, mit Kindern nur in der Lautsprache zu kommunizieren. In einigen Schulen wurde und wird jetzt noch das Gebärden nur toleriert, die Lehrer wenden diese Sprache aber im Unterricht nicht an. Die Antipathie gegen die Gebärdensprache hat sich heutzutage gemildert. Sie ist jetzt in Deutschland als Sprache anerkannt (was bedeutet, dass Gehörlose jetzt ein Recht auf Dolmetscher haben). Die rechtliche Anerkennung der DGS in Deutschland erfolgte 2002 mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (§ 6 BGG).

Aufgrund dieser Vergangenheit ist die DGS noch nicht landesweit standardisiert. Es gibt regionale Dialekte. Oft wird die Gebärdensprachgrammatik mit der Grammatik der deutschen Sprache vermischt; es entsteht eine Art Mischmasch von DGS und gebärdetem Deutsch.

Es gibt Wörterbücher mit Fotos und CD-ROMs von Gebärden und umfangreiche Internetangebote mit Videoinformationen in Deutscher Gebärdensprache: Bundesagentur für Arbeit - Ausbildung oder Streitkräftebasis der Bundeswehr. Die Grammatik der Deutschen Gebärdensprache ist noch nicht vollkommen geschrieben. Um die DGS schriftlich niederlegen zu können, wurden verschiedene Notationssysteme wie HamNoSys geschaffen.


Die Grammatik der Deutschen Gebärdensprache

Die Grammatik der Deutschen Gebärdensprache lässt sich mit Hilfe der konventionellen sprachwissenschaftlichen Kategorien Phonologie, Morphologie, Morphosyntax und Syntax beschreiben.

- Phonologie
- Morphologie
- Morphosyntax
- Syntax



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