Hier Präambeln als Themeneinleitung unseres Sinns

Taubheit oder Sprache

Taubheit ist nicht das schlimmste Elend,
sondern die Sprachlosigkeit.

Sprache gebiert dem Geist des Menschen das Leben,
sie gibt dem Geist die Kraft zum Walten unzähliger Entfaltungsmöglichkeiten.

Die Welt kreiert den Menschen,
der Mensch kreiert die Welt,
nur wenn er die Sprache nutzt und sie dabei veredelt.

Verschiedenheit der Sprache bedeutet Verschiedenheit der Welten:

sie fabriziert Wissen vielfältiger,
sie gestaltet Geistestätigkeit funktionstüchtiger,
sie bietet viele Wege zu nuancenreichen Erkenntnissen,
sie bringt wertschätzende Erfahrungen mit
sie malt das Leben sinnvoll nahrhafter, vielfältiger, bunter, fröhlicher
um den und im Menschen ...

Ebenso ....
die Gebärdensprache den Visuellen ...
die Lautsprache den Auditiven ...

Kunst und Schönheit der Sprache ist eine Waffe,
die mit der Zukunft der Sprache geladen ist.

Ebenso ...
die Gebärdensprache - die Kunst der Performance und die Schönheit der Ikonizität ...
die Lautsprache - die Kunst der Arbitrarität und die Schönheit der Klänge ...

Taube Menschen leben in der überdimensionalen visuellen Welt.
Jede Mimik, jede Gestik und jeder Körperausdruck
sind die perfekte Ergänzung der fehlenden akustischen Wahrnehmung.

Wegen dieser insgesamt entwickelt der Hörbehinderte seine Identität so,
dass das Plus seiner Sprachen mehr wiegt als das Minus seiner Taubheit,
denn beide – Gebärdensprache und Lautsprache – schlagen
den Geist der Taubheit tot ...

Hörende Menschen leben anhand des Sprachzusatzes ebenfalls
in der überdimensionalen visuellen Welt.
Jede Mimik, jede Gestik, jeder Körperausdruck
sind die segensreiche Ergänzung der bereits bestehenden akustischen Wahrnehmung.

Wegen dieser insgesamt entwickelt der Hörende seine Identität so,
dass die Sprachpluralität potential viel besser ist als die Spracharmut,
denn die Sprachpluralität potenziert den Geist eines Menschen wirkungsvoller ...

Hurra, hurra, es lebe Sprachen ...
Förderwürdig aus allen Richtungen müssen sie sein ...
Menschen mit Menschlichkeit und gesundem Verstand machen so gern ...

Denn in der Multikulturalität zugeschriebene Inklusion,
die den Erwerb von fundamentalen Laut- und Gebärdensprachfähigkeiten,
mit den der Mensch schrittweise erst
zum multikulturell obendrauf multilingual geistigen und sozialen Mensch wird, behindert,
ist allergrößte Dummheit anstelle von Weisheit.

Das Studium der Gebärdensprache,
insbesondere der Gebärdensprachpoetik und Gebärdensprachlinguistik,
ist ein entscheidendes Element
in der Evolution hin zum Tod des pathologischen Modells,
zur Verzerrung der Norm 'Taubheit'.

Letztentlich,
wer die Gebärdensprache nicht versteht,
kann unmöglich begreifen,
welche Ausdrucks- und Funktionsvielfalt sie den Menschen bietet,
wie wichtig sie für die geistige, soziale und emotional-psychische Wohlhabenheit
derjenigen ist,
die nicht nur Lautsprache beherrschen und
die nicht nur in der auditiven Welt leben ....



Hinaus dem Diesseits des Verstandes:
das Wesen der Gebärdensprache

Das Sehen führt den Menschen in die Welt,
die Gebärdensprache führt die Welt in den Menschen ein.

An fast allen höheren psychischen Funktionen des Menschen
ist die Gebärdensprache direkt auch indirekt beteiligt.

„Lerne mit der Gebärdensprache,
und sie salbet Dir Deine Augen (Einheitsübersetzung: Offb 3,18)
die Helligkeit und die Wahrhaftigkeit des Geistes
und produziert neue Wege der Erkenntnisse und Einsichten.
Anhand der regen Produktivität und Qualität der Sprache
geht der Weg zur hohen Wirklichkeit, ebenso zu Urbildern,
nur über Bilder dito Bilderfilme,
dank der Universalität der Bilder dito Bilderfilme.
Sie sind einschließlich Brot für den psychischen Leib (Geist-Seele-Leibkomplex).

Nur bei der geistigen Disziplin
ist die genauere Arbeit der Gebärdensprachlichkeit,
die zum Tanz der Sprache und ihres Ausdrucks der Inhalte verschafft,
also zur sprachlichen Erzeugung und
kommunikativen Vermittlung der Bilder dito Bilderfilme,
erst möglich.

„Der beste Weg, ... Ideen oder Wörter der Urbilder verstehen zu können ist,
sie irgendwie mit eigenem Leib naturgetreu zu malen ...
zu kommunizieren und zwar in auch mit konkreten Gebärden
der abstrakten und nichtabstrakten Ideen.
Das emergiert buchstäblich das leibliche Sein
aus dem Niedrigen hervor.“

Da als Denkziel aller gebärdensprachlichen Darbietungen
das verstandesmäßige Vordringen
zu den ‚Urbildern’, zum ‚Wesen’ und letztendlich zur objektiven ‚Wahrheit’ galt,
ist die Gebärdensprache nunmehr
ein perfektes, direktes Instrument
begrifflicher Modellierungen, Analysen und Synthesen
der visuellen Geisteswelt.

Denn
im Wort oder in einer Idee eingeschlossener performance-Bilder
ist der ikonizität’sch lebendige Visuelle,
und der klanglich lebendige Auditive
ist der arbiträre Mantel des Worts oder einer Idee.

„Wenn du ein Bild bauen willst,
dann trommle nicht die Bilder des Urbildes zusammen,
um Vorgegebenes zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben
und die Arbeit für das Verstehen einzuteilen,
sondern lehre – handmale – die Bilder des Urbildes,
die Sehnsucht nach der höchsten Vollkommenheit
- die Direktheit, die Echtheit, die Lebendigkeit und die Ebenbürtigkeit -.

Auf diese Weise
im Tatensturm der Gebärdensprachlichkeit,
in Lebensfluten der Bilder dito Bilderfilme
wallst Du auf und ab,
webst hin und her
Geburt und Datenbankisierung,
ein ewiges Meer,
ein wechselnd Weben,
ein glühend Leben,
so schaff’ Du am sausenden Webstuhl der Zeit
und wirkst der Gottheit lebendiges Kleid.“

Entgegen den anderen geht
der Gott der Urbilder,
der bei den Menschen in ihrem Geist,
im System des Geister-Datenhighways,
charakteristisch einen mediatorischen Platz hat,
mittels seines rotierenden Kreuzrads der Sonne(n),
antriebwellend von Wagen der Cherubim,
immer ein Schritt weiter voraus.

Gebärdensprache
mit unzähligen visuellen Reichtum in Farben, Klängen, Bewegungen, Bildlichkeiten
ist unentbehrlich ein geeignetes Werkzeug
zur Produktivität zugleich zur Sprachlichkeit der Ideen
vermöge der Generierung des Geistes der visuellen Welt
und letztendlich des Wandels der inneren und äußeren Welten.
Wahrlich eine daseinsunmittelbare Sprache,
eine Sprache der fliegenden Hände,
im Sinne einer Weitung ins Allgemeine, Gültige und Universelle …
Ins Reich der Worte!

Denn „im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott“. (Einheitsübersetzung: Joh 1,1)

Eine Einleitung zur Annäherungan das moderne Mysterium tremendum eines Christus opus praesens …

Epilog für alle,
die zurzeit im Diesseits des Verstandes verweilen:

„Gebärdensprache ist - aus der Sicht der Wissenschaft der Menschen –
namhaft ein vollwertig eigenständiges, leistungsstarkes,
lebendiges und dynamisches visuell-manuelles Sprache;
ohne lautgesprochene und gehörte Worte,
reichlich mit Klang, mit Melodie, mit Modulation,
nur: sichtbar statt hörbar.
Eine wunderschöne besondere Sprache
für die Augen der physischen und anderseits der psychischen Ebene
zur Betätigung
der visuellen Geisteswelt, der visuellen Ideenwelt und der visuellen Kommunikation.“



Darstellung einer Kommunikationsszene: Befähigung eines odem'schen Lebens durch Sprache und Wissen (von der Pantheonbibel, 11.Jahrhundert, Vatikanische Bibliothek)



Historie - Anfangs der Neuzeit: breite lebendige Gebärdensprachkultivierung (Foto: LSH)



Zu lesen - geschrieben mit Unterstützung anderer Angehörigen der Gebärdensprachgemeinschaft für Gebärdensprachinteressierte,
die Kontakt in Gebärdensprache aufnehmen möchten – ist hier ein schönes

Gebärdensprachrezept

1/2 Tasse verfeinerte Gebärden
1/2 Tasse natürliche Gebärden
1/8 Tasse von dem Manualalphabet
1 Tasse Handform- und Gebärdenbewegung
1 Tasse Körper- und Gesichtsausdrücke

Lächle und vermixe alle Zutaten
zu einer Gebärdensprache,
das sollte man nicht vergessen,
sind wie die Gewürze in jedem schmackhaften Essen,
ab in die Gebärdensprachgemeinschaft,
dann mit den Händen vorsichtig beträufeln,
füge eine Prise visuelle Liebe hinzu,
angerührt, dies uns zu gutem Verstehen führt,
gib ein Schlag Körperenergie dazu.

Und das Stolzsein auch noch dazu,
um den Geschmack zu verstärken.
Lade alle zur Unterhaltung bei einer
Kommunikationsfete ein.

Prost!



hier aufgezeigte Präambeln - verfasst von Thomas Wartenberg
im Namen der hörenden sowie hörgeschädigten Gebärdensprachkundigen



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